Bischof Bedford-Strohm eröffnet Lutherstiege

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat die Lutherstiege wieder eröffnet

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„Du bist ein Sünder“ tönt es aus einer mittelalterlichen Geldtruhe in der Lutherstiege, dem kleinen Museum in der Augsburger St. Anna Kirche, das Reformationsgeschichte dokumentiert. Es wurde neu gestaltet und am Sonntag, den 22. April durch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm wiedereröffnet.

„Du bist ein Sünder“ - die Worte klingen mit einflüsternder Stimme sehr persönlich, mal vorwurfsvoll oder bedrohlich, mal selbstkritisch oder eher fragend. Die Luthersteige vermittelt einen Eindruck, wie sich der Mönch Martin Luther mit diesem Vorwurf quälte. Ihm war bewusst, dass ein Mensch, trotz bester Vorsätze, immer wieder sündigen würde. Luther suchte nach Vergebung. Doch zugleich war ihm klar, dass der Ablasshandel, den die Kirche propagierte, nicht die Lösung sein konnte. Er war der festen Überzeugung, dass man sich von seinen Sünden und vom Fegefeuer durch Geld nicht freikaufen könne. Luther erkannte, dass Gott dem reuigen Sünder allein aus Gnade verzeiht. Der Mönch war nicht bereit diesen Glauben, der gegen die Lehrmeinung der damaligen Kirche verstieß, zu widerrufen. Das Verhör im Augsburger Fuggerpalais 1518 vor Kardinal Cajetan simuliert die Lutherstiege mit einem großen roten Thron vor einer kleinen Büßerbank und Audioeinspielungen des Disputs.

„Wir wollten die Inhalte nicht nur auf Texttafeln darstellen, sondern ein Stück Vergangenheit lebendig werden lassen“ beschreibt Pfarrerin Silke Kirchberger von der Projektstelle Luther 2017 ihre Aufgabe. Daher gibt es rote Stehlen, die immer wieder einen Gegenwartsbezug herstellen und einen Medienraum. Präsentationen zeigen dort, wie sich Luthers Lehren mit Hilfe des Buchdrucks, Flugschriften und Karikaturen weiter verbreiteten.

Auf der Empore der St. Anna Kirche werden die Folgen der Reformation deutlich. Das Museum informiert über das Augsburger Bekenntnis (1530), den Augsburger Religionsfrieden (1555) und die Salzburger Exulanten, die im 18. Jahrhundert Zuflucht in St. Anna fanden. Die Lutherstiege endet in der Gegenwart mit der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (1999) und St. Anna heute.Dieser Sonntag sei ein „Festtag der Ökumene“, so Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seiner Predigt, da jeder Gottesdienst ein Christusfest sei, bei dem es „am Ende nie um Lutheraner oder Katholiken geht, sondern es immer um Christus selbst“. Lutherisch sein, so der Landesbischof weiter, bedeute nicht „Anti-Katholisch-Sein“, sondern fordere dazu auf, „sich in der kraftvollen Tradition der Reformation immer wieder neu auf den Weg zu Christus zu machen“. Dabei dürfe der Orientierungspunkt nur Christus sein und nicht Kirchentümer oder Konfessionen.

Christus allein setzt den Gläubigen die Krone auf, so Bedford-Strohms Auslegung des neutestamentlichen Petrusbriefes. „Wenn ihr meint, sagt der Petrusbrief, ihr würdet das Wesentliche schon ausdrücken, wenn ihr euch Katholische, Evangelische oder Orthodoxe nennt, dann habt ihr nichts verstanden. Wenn ihr auf irgendeine evangelische, katholische oder orthodoxe Herrlichkeit hofft, dann sind die Kronen, die ihr euch aufsetzt, nichts mehr als Faschingskronen. Ihr müsst euch schon ganz allein an Christus selbst orientieren“, so der Landesbischof.

Wer in der Kirche Leitungsverantwortung trage, müsse „Vorbild der Herde“ sein und einfühlsam wahrnehmen, was die Anderen denken und fühlen, „um nicht die eigene Interpretation der Bibel schon für die Wahrheit zu halten, sondern gemeinsam mit den Anderen nach der Wahrheit zu suchen und da, wo entschieden werden muss, die Erkenntnisse dieses Prozesses auch wirklich aufzunehmen“. Erst diese Einstellung werde der Erkenntnis gerecht, „dass die, denen wir verantwortlich sind, eben keine dummen Schafe, sondern wirklich eine königliche Priesterschaft“ seien, betonte der Landesbischof.

Stadtdekanin Susanne Kasch dankte zum Abschluss des Gottesdienstes allen, die die Lutherstiege neu konzipiert und gestaltet haben. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Historikern, Theologen, Kirchenvorständen, Architekten, Medienfachleuten und vielen weiteren Künstlern und Handwerkern hat zum Gelingen beigetragen.

Stadtdekanin Kasch dankte insbesondere Pfarrerin Silke Kirchberger (Projektstelle Luther2017), die die Arbeiten federführend verantwortet. „Die Lutherstiege gehört uns allen, aber ihr ganz besonders“, würdigte Kasch das Engagement.

Einen besonderen Dank konnten auch die Mitarbeitenden von Büroecco entgegennehmen „für eine wunderbare Gestaltung, für Ideen ohne Ende, für kritisch konstruktiven Dialog, für evangelisch-katholische Kooperation und Streitgespräche. Wir sind sehr froh mit Ihnen dieses Museum gestaltet zu haben. Wir hätten uns niemand besseren wünschen können“, lobte Kasch die Zusammenarbeit.

Finanziell ermöglicht wurde die Lutherstiege, die 320.000 Euro kostete, durch Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland, des Freistaats Bayern, des Bezirks Schwaben, der Stadt Augsburg, der Kreissparkasse Augsburg mit der bayerischen Sparkassenstiftung, der Evang.-Luth Kirche in Bayern und den Dekanatsbezirk Augsburg mit seinen 35 evangelischen Kirchengemeinden.

Die Lutherstiege befindet sich in den historischen Räumen des ehemaligen Karmeliterklosters. Sie ist derzeit nicht barrierefrei zugänglich. Über einen Aufzug im Augustanahaus soll dies aber zukünftig möglich werden.

Das Museum Lutherstiege ist geöffnet zu den Kirchenöffnungszeiten. Der Eintritt ist frei.

(Fotos: Annette Zoepf)