Stunde der Kirchenmusik - 4. Oktober, 19.00 Uhr

In der Reihe "Stunde der Kirchenmusik" wird am Sonntag, den 6. September Musik von Johann Sebastian Bach(1685-1750) zu hören sein:

„Goldberg-Variationen“ BWV 988 (in Orgelfassung von Christian Barthen, 2019)
 

Die sogenannten Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach markieren einen (vielleicht den) Höhepunkt barocker Variationskunst und gehören zu den prominentesten Werken dieser Gattung in der Musikgeschichte. Eine genaue Entstehungszeit lässt sich nicht datieren, im Jahr 1741 wurde das Werk von Balthasar Schmid (1705-1749) in Nürnberg, als Clavier Ubung bestehend in einer ARIA mit verschiedenen Verænderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen, publiziert.
Der Name Goldberg-Variationen etablierte sich erst im Laufe des 19. Jahrhundert und geht auf eine Anekdote zurück, wonach Bach das Werk im Auftrag des russischen Gesandten am Dresdner Hof, Graf Hermann Carl von Keyserlingk, und für dessen jungen Cembalisten, Johann Gottlieb Goldberg, komponiert haben soll. Das Werk enthält aber weder eine entsprechend übliche Widmung an den Grafen, noch wäre der damals 13-jährige Goldberg mutmaßlich dazu in der Lage gewesen, die Schwierigkeiten der Variationen zu überwinden.
Die Goldberg-Variationen bestehen aus 32 Teilen: 30 Variationen gerahmt von einer Aria. Die Aria ist zweiteilig und besteht aus 16+16 wiederholten Takten, in Entsprechung zur Großform des Werkes 1+15 und 15+1 Variationen. Immer drei Variationen bilden eine Einheit: Sie beginnen mit einer Charaktervariation (Polonaise, Passepied, Gigue, Fughetta, Französische Ouvertüre, etc.), gefolgt von einem Duett in sukzessiv steigernder Schwierigkeit. Jede dritte Variation ist ein Oberstimmenkanon - es handelt sich dabei um sogenannte Intervall-Kanons, in steigernder Intervallgröße der Stimmeneinsätze (von der Prime bis zur None).
Bach sprengt in den Goldberg-Variationen alle clavieristischen Denkmuster und Gewohnheiten: Es gibt keine Ober- und Unterstimme, die fortwährend einer rechten oder linken Hand akustisch zugeordnet werden könnten. Jede Stimme kann „alles“ und „alles sein“, die Stimmen wechseln ihre Funktion permanent auf engstem Raum - die Goldberg-Variationen sind somit sicherlich keiner instrumentalen Konvention unterworfen, sondern als absolute Musik komponiert. Bach setzt zur Darstellung dieser Musik (so gesehen als Mindestmaß) ein zweimanualiges Cembalo voraus. Als besonders vorteilhaft und geeignet muss aber auch die Orgel gelten, die es erlaubt jede Stimme eigenständig instrumentiert darzustellen und dadurch ein Maximum an Nachvollziehbarkeit und Nachempfindbarkeit - Polyphonie im besten Sinn - zu erreichen. Ein besonderer Reiz und eine besondere Herausforderung liegen hierbei vor allem im Gebrauch des Orgelpedals, wo zumindest versucht werden kann, sich mit den Füßen den spieltechnischen Möglichkeiten einer Hand anzunähern.

Unter folgendem YouTube-Link können Sie die ersten beiden Variationen sehen und hören (November 2019, Pauluskirche in Heidenheim):

https://www.youtube.com/watch?v=b-sfzc3S8nw