Die Heiliggrabkapelle

Die Geschichte der Heiliggrabkapelle

 

Das Kaufmannspaar Georg Regel und seine erste Frau Barbara Lauginger beurkundeten 1508 eine Stiftung zum Bau einer Kapelle „… in mass und form, wie (…) zu Jherusalem“. Die mit einer Bodenplatte abgedeckte Gruft der Stifter befindet sich seitlich in der Kapelle. Der zentrale Platz gebührt einer verkleinerten architektonischen Nachempfindung der Jerusalemer Grabkapelle. In dem Unterbau mit zehn umlaufenden Blendarkaden steht ein einfacher Grabtrog. In der Stirnwand ist eine Sakramentsnische eingelassen, dort wurden damals Hostien aufbewahrt. Das auffällige und schmückende Element des Heilig-Grab-Nachbaus ist der Säulenaufsatz mit der zwiebelartigen Bekrönung, Kiborium genannt. An diesem Element lässt sich ablesen, dass die Kapelle nach 1555 umfassend neu gestaltet worden ist. Denn erst zu diesem Zeitpunkt erhielt das Jerusalemer Original einen ähnlichen Aufsatz. Den neuen Bau hat 1590 Johannes Holl, der Vater des berühmten Elias Holl ausgeführt. So berichtet es Elias Holl in seiner Autobiographie. Vermutlich hatten die neuen Besitzer der Kapelle, die Familie Langnauer, den Umbau in Auftrag gegeben. Die Porträts an der Wand zeigen die Mitglieder der Familie Österreicher, die wohl 1656 in den Besitz der Kapelle kamen. 

 

Tradition der Heiliggrabkapellen

 

Heiliggrabkapellen bilden architektonisch die Grabeskirche in Jerusalem nach, die der Überlieferung nach über dem Begräbnisplatz Jesu Christi errichtet wurde. Besonders im Mittelalter waren Nachbauten der Grabeskirche weit verbreitet und beliebt bei Stiftern, Besuchern und Pilgern. Denn so rückte das Original – bis heute eine der wichtigsten Stätten des Christentums – ersatzweise in greifbare Nähe.

 

 

Das helle Licht in der Dunkelheit des Todes

 

Licht spielt in der Symbolik der Heiliggrabkapelle eine wichtige Rolle. So brannte wohl in der Nische der Rückwand ein ewiges Licht. Auch das Gitter der Kapelle, das noch aus der ersten Bauphase im frühen 16.Jahrhundert stammt, ist mit Kerzenhaltern versehen. Den Mönchen, welche die Stiftungsgottesdienste zu vollziehen hatten, war ein bestimmter Satz vorgeschrieben: „Tenebrae factae sunt“ bezeichnet das Einbrechen der Dunkelheit, als Bild für das Leiden und Sterben Christi. Jeden Freitag sollte zudem die Passionsgeschichte Jesu gelesen werden. Am Tag der Auferstehung Christi aus dem dunklen Grab spielt die Heiliggrabkapelle in St. Anna auch heute eine besondere Rolle. Im Osternachtgottesdienst wird von der Kapelle aus das Osterlicht in die Kirche getragen, am Ostersonntag wird das Grab österlich mit Blumen geschmückt.