Der Augsburger Religionsfriede 1555

Oberstes Thema auf der Tagesordnung des Reichstages von 1555 war die Frage „der spaltigen Religion“. Wie sollte es weitergehen mit den unterschiedlichen christlichen Glaubensrichtungen, deren Nebeneinander die Einheit des Deutschen  Reiches gefährdete und zu schweren kriegerischen Auseinandersetzungen geführt hatte?

Der Augsburger Religionsfriede schreibt die reichsrechtliche Gleichstellung des römisch- katholischen Glaubens und des Augsburger Bekenntnisses fest. Es gilt der Sache nach, was erst etwa 100 Jahre später im Westfälischen Frieden festgeschrieben wird. Cuius regio eius religio (lateinisch für: wessen Land, dessen Religion). Den Fürsten steht zwar das Recht zu, über den Glauben ihrer Untertanen zu bestimmen. Wer sich dem nicht fügen will, kann aber auswandern. In den freien Reichsstädten wird sogar  das Nebeneinander beider Religionen ausdrücklich zugelassen.

So gilt der Artikel 14 aus dem Augsburger Religionsfrieden auch für die Stadt Augsburg.

Nachdem aber in vielen Frei-und Reichsstädten die beiden Religionen, nämlich unsere alte Religion und die der Augsburgischen Konfession verwandte Religion, seither in Gang und Gebrauch gewesen, so sollen dieselbigen hinfort auch also bleiben und in denselbigen Städten gehalten werden, und in derselben Frei- und Reichstadtbürger und andere Einwohner, geistlichen und weltlichen Standes, friedlich und ruhig bei und nebeneinander wohnen, und kein Teil des anderen Religion, Kirchenbräuche, oder Zeremonien abtun oder sie davon abzudrängen, sich unterstehen, sondern jeder Teil den anderen ... ruhiglich und friedlich bleiben lassen.

Der Augsburger Religionsfrieden ist kein neuzeitliches Toleranzedikt. Er gewährt nicht  Religionsfreiheit des einzelnen Bürgers. Aber er enthält die Erkenntnis, dass die Frage nach der letzten Wahrheit, die den Menschen trägt, mit Mitteln der Gewalt nicht zu lösen ist. So ordnet er das Zusammenleben der Menschen, in dem die Frage nach der letzten Wahrheit ausdrücklich offen gehalten wird.

Diese Erkenntnis bleibt gültig bis heute.

Aus: Den Frieden als Weg. Evangelische Kirchen und Orte der Reformation in Augsburg. Hrsg. Evang.-Luth. Dekanat Augsburg 2005.