Das Museum Lutherstiege - Bewegte Zeiten, bewegte Bilder und bewegende Geschichten

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Sigrid Gribl für die freundliche Abdruckgenehmigung des folgenden Textes: 

Bildrechte beim Autor

St. Anna spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der Reformation. Martin Luther wohnte hier während seiner Verhöre durch den päpstlichen Gesandten Cajetan. Warum geschah dies in Augsburg? Wer waren Luthers Gegner, wer die Freunde? Warum eroberte seine Lehre so schnell das Land und wie entwickelte sich die Reformation? Was hatten Drucker und Künstler damit zu tun? Welche Kriege, welcher Frieden, welche Machtverschiebungen waren die Folge? Das Museum Lutherstiege zeigt die Entwicklungen der Reformationsgeschichte mit Schwerpunkt Augsburg, ausgehend von Luthers Aufenthalt in der Stadt. Der Rundgang führt durch historische Räume entlang an multimedial inszenierten Stationen und originalen Objekten.

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Aufbau des Museums

1. Zeitstrahl: Aufbruch in eine neue Zeit

Treppe zur Lutherstiege
Bildrechte Annette Zöpf

Der Weg in die Reformation beginnt mit einem Blick zurück ins Mittelalter. Entlang der Treppe nach oben führt ein Zeitstrahl wichtige Ereignisse auf, die für neue Erkenntnisse und Techniken sorgten und damit auch die Reformation begünstigten.

 

 

 

2. Ankunft: Martin Luther erreicht Augsburg

Bildrechte beim Autor

Nach 12-tägigem Fußmarsch traf Martin Luther am 7. Oktober 1518 im Augsburger Karmelitenkloster ein, wo er auf Einladung des Priors Johannes Frosch wohnte. Luther kannte Frosch von der Universität Wittenberg her, bei dem anstehenden Verhör war ihm der kluge Theologe ein wichtiger Verbündeter. Die Station erzählt, wie Luther sich bei seiner Ankunft angesichts der drohenden Gefahr für Leib und Leben fühlte.

 

 

 

3. Bedeutende Metropole: Augsburg im Jahr 1518

Dank ihrer zentralen Lage und einer zupackenden Bürgerschaft war die Reichsstadt Augsburg in der frühen Neuzeit ein wichtiger Handelsplatz und ein politisches Zentrum. Kaiser Maximilian war häufig zu Gast, viele Reichstage fanden in Augsburg statt – so auch der Reichstag von 1518, bei dem Luther und Cajetan zusammentreffen sollten. Wie sich das Leben in der Stadt damals darstellte, zeigen Bilder, Objekte und Texte dieser Station.

4. Kling, kling: Luther und der Ablasshandel

Nach Auffassung der katholischen Kirche muss jeder Mensch nach dem Tod eine gewisse Zeit im Fegefeuer verbringen, um seine Seele von den Sünden zu reinigen. Ablässe bieten die Möglichkeit, die Zeit im Fegefeuer zu verkürzen. Das geschieht durch gute Werke wie z.B. Almosen geben und Gebete in Verbindung mit Beichte und Buße. Der Ablass an sich wurde zunächst auch von Luther nicht bestritten. Es war der ausufernde Handel mit Ablassbriefen gegen Geld, der Luther gegen die Kirche aufbegehren ließ und dazu führte, dass er seine Thesen verfasste. Wie die damaligen Ablässe funktionierten und weshalb besonders der „Petersablass“ gravierende Folgen hatte, vermittelt diese Station in eindrücklichen Tönen und Bildern. 

5. Widerrufe! Luthers Verhör

Bildrechte beim Autor

Cajetan war mit dem klaren Auftrag nach Augsburg gekommen, Luther zum Widerruf seiner Thesen zu bewegen. Die beiden trafen an drei aufeinanderfolgenden Tagen zusammen, zerstritten sich aber immer tiefer. Zunächst führten sie noch einen theologischen Disput mit gesetzten Worten. Cajetans Argumentation konnte aber Luther nicht überzeugen, und Luthers Entgegnungen ließ wiederum der Kardinal nicht gelten. Am Ende schrien sie sich gegenseitig an. Luther verfasste daraufhin eine Schrift, die sich direkt an den Papst richtete und in der er seine Sicht der Dinge darlegte. Nachts verließ er heimlich die Stadt, da seine Gefangennahme nicht auszuschließen war. Eine Audioszene in der Station macht erlebbar, wie intensiv und hart der Streit damals geführt wurde. Grundlage des von Schauspielern gesprochenen Hörstückes sind historische Quellen wie Luthers Tischgespräche und Briefe.

6. Damals neu: Evangelisch sein

Lesezeichen im Medienraum
Bildrechte Klaus Lipa

Mit dem Erstarken der Reformation ging der Wunsch der Menschen nach Anleitung für ihren Alltag einher. Die neue Theologie brauchte klare Worte, die Luther und andere Reformatoren formulierten und die bis heute gelten. Ein Buch mit Infoschubladen erklärt, was das im Einzelnen bedeutet. Die drei großen Kapitel lauten: 1. Es gibt nur einen Christenstand. 2. Glauben und Verstehen gehören zusammen. 3. Von der Freiheit eines Christenmenschen.

 

 

 

7. Buchstäblich eins: Luther und die Medien

Medienraum der Lutherstiege
Bildrechte Klaus Lipa

Eine noch junge Erfindung machte den raschen Erfolg der Reformation erst möglich: Der Druck mit beweglichen Lettern, um 1450 von Gutenberg erfunden, ermöglichte hohe Auflagen bei relativ geringen Kosten. Flugschriften, theologische Bücher und Bibelübersetzungen erlebten einen Boom. Die Reformatoren nutzten die neuen Medien weitaus stärker als die Altgläubigen. Auch die mehr als 1500 unterschiedlichen Darstellungen von Luther als Holzschnitt, Kupferstich oder Gemälde trugen zur Verbreitung der Reformation bei. Eine interaktive Medienstation beleuchtet die damaligen Medienrevolution und ihre Protagonisten – von den Augsburger Druckern bis zu Lucas Cranach.

Aus Dankbarkeit für die Unterstützung schenkten die Salzburger Exulanten der Gemeinde von St. Anna ein großes Buch. Darin wird der Aufenthalt der Exulanten in Augsburg in Bildern und Texten geschildert. Das Buch ist heute als einzigartiges Zeitzeugnis im Museum Lutherstiege ausgestellt. Neben der herzergreifenden Geschichte der Exulanten lässt sich aus den Bildern viel über die Ausstattung von St. Anna zu jener Zeit erfahren.